Von Tatsachen und Bewertungen

Von Tatsachen und Bewertungen

Von Tatsachen und Bewertungen

Marshall B. Rosenberg sagte einst:

„Es sind nie die Tatsachen, die uns beunruhigen und ärgern,

es sind immer unsere eigenen Bewertungen.“.

Eine solche Aussage mag den ein oder anderen irritieren. Doch sie trifft ziemlich genau die Kernelemente Gewaltfreier Kommunikation (GfK): Verantwortung für die eigenen Gefühle übernehmen und Tatsachen von Bewertungen unterscheiden.

Tatsachen sind beobachtbar oder messbar und damit abzugrenzen von Bewertungen. Denn Bewertungen ergeben sich erst aus Interpretationen und antrainierten automatisierten Kommunikationsmustern, zum Beispiel in Folge schnellen Denkens.1 Blitzschnell nehmen wir Informationen auf und springen gedanklich schon zu Einschätzungen über die wahrgenommene Situation.

Vom Unterschied zwischen Tatsachen und Bewertungen

Konstruktivismus_BildvomElefanten

Aus dem Konstruktivismus kennen wir das Bild vom Elefanten. An diesem Bild lässt sich der Unterschied von Tatsachen und Bewertungen sehr gut aufzeigen. Jeder, der (mit verbundenen Augen) an einer anderen Stelle des Elefanten herumtastet, hat messbare und überprüfbare Eindrücke. Das sind die Tatsachen. Wenn jeder nun, aus seiner beschränkten Perspektive, die ihm bekannten Tatsachen interpretiert (und damit indirekt bewertet), ergeben sich verschiedene Aussagen der Art „Das ist ein … !“ Genau das passiert uns im Alltag allzu oft: Wir sind überzeugt, alle Fakten zu kennen, und interpretieren den Rest. So treffen wir dann Entscheidungen oder Bewertungen über das Verhalten von Personen. Doch anstatt von den Fakten blitzschnell schon zu einer Einschätzung zu springen, wäre es hilfreich, wenn wir uns mit etwas Demut an Fragen erinnern wie:

  • Könnte es auch anders sein?
  • Kenne ich alle Fakten?
  • Welche Perspektiven könnte es noch geben?

Unerfüllte Bedürfnisse führen zu negativen Bewertungen

Oft steht uns so unsere eigene Subjektivität im Weg. Denn ob wir uns über eine Tatsache ärgern, ist nicht von der Tatsache selbst abhängig, sondern davon ob im betreffenden Kontext wichtige individuelle Bedürfnisse erfüllt oder eben unerfüllt sind. So ist es zum Beispiel erklärbar, dass sich Person A über auf-dem-Fußweg-parkende Autos ärgert und eine andere Person B eben nicht. Ob wir uns über eine Tatsache ärgern, hängt allein von unseren Bewertungen ab. Person A denkt vielleicht an das für Fußgänger eingeschränkte Sicherheitsempfinden oder daran, dass der Platz für Kinderwagen und Rollstühle zu knapp wird. Während Person B Verständnis für das parkende Auto hat, weil ja sonst keine Parkalternative zur Verfügung steht. Bei A sind in dieser Situation die Bedürfnisse Sicherheit und Ausgleich unerfüllt, während B das Bedürfnis nach Flexibilität im Blick hat.

Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht kooperative Lösungen

In unserer Arbeit als Vermittler und Coaches sind wir immer wieder aufs Neue fasziniert von der positiven Wirkung Gewaltfreier Kommunikation. Konkret, wie der Rückbezug auf die eigenen Gefühle und Bedürfnisse es ermöglicht, mit Andersmeinenden in einen Dialog zu treten und damit einen Raum öffnet, in dem kooperative (also nicht unilateral per Macht durchgesetzte) Lösungen möglich werden.

Darum möchten wir Sie einladen, in Ihrem Alltag mal auf Ihren ganz persönlichen Gedankenstrom zu achten. Nehmen wir an, sie beobachten etwas. Wie viele Ihrer Gedanken beschäftigen sich mit Tatsachen wie:

  • „Aha, da ist dies und das zu beobachten.“ und
  • „Aha, diese Gefühle spüre ich jetzt.“ und welcher Anteil Ihrer Gedanken besteht dabei aus Bewertungen wie zum Beispiel
  • „Das ist gut / schlecht / unverschämt / dreist / blöd / inakzeptabel / … Das macht der, weil …!“?

Und wenn Sie dabei ähnliche Erfahrungen wie wir machen, möchten wir sie ermutigen einen Schritt aus der einschränkenden Subjektivität zu tun und weitere Perspektiven in Betracht zu ziehen. Auf diese Weise ersparen sich sie vermutlich viel Ärger über Ihre Mitmenschen.

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1 Wer gerne mehr über Schnelles Denken und dessen Folgen erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch von Daniel Kahneman „Schnelles Denken, Langsames Denken“.

Von |2018-09-07T11:22:22+00:007.09.2018|Blog|0 Kommentare

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