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Aus dem Coaching: Umgang mit negativen Äußerungen

Ein Beispiel aus dem Coaching: Umgang mit negativen Äußerungen

Im Coaching trafen wir auf eine Klientin, welche sich in letzter Zeit häufig von ihrer Chefin angegriffen fühlte. Die negativen Bemerkungen über sie und ihre Arbeit machten ihr schwer zu schaffen. Auffallend war, dass sie immer wieder mit verschiedenen Menschen in solche unangenehmen (Gesprächs-)Situationen geriet, obwohl sie gewissenhaft arbeitete und sich große Mühe gab allem gerecht zu werden. Diesen Aspekt machte sie zum Thema des Coachings. Nachfolgend skizzieren wir, wie wir ihr Anliegen im Coaching bearbeitet haben.

Die drei Gesprächsebenen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, können sie sich austauschen über ihr Verhalten und die Geschehnisse.

  • der Vergangenheit

„Du hast die Aufgaben nicht richtig umgesetzt.“
„Ich habe dir gesagt, dass…

  • der Gegenwart

„Du hörst mir nicht richtig zu.“
„Ich fühle mich übergangen.“

  • und der Zukunft

„Du solltest nächste Woche pünktlich erscheinen.“ /
„Ich werde ab sofort die Rechnungen besser prüfen.“

Abwertende Äußerungen beziehen sich meist auf die Vergangenheit „Du hast dies und jenes falsch gemacht.“, „Du hast mir nicht richtig zugehört.“ und ähnliches. Oft hört man auch Verallgemeinerungen in der Form „Du machst dies und jenes IMMER falsch.“ „STÄNDIG muss ich deine Arbeit mitübernehmen.“ etc.
Der Andere macht uns also einen Vorwurf über vergangene Ereignisse. Da wir Vergangenes nicht mehr ändern können, ist unsere Erwiderung dann meist eine Rechtfertigung und/oder ein entsprechender Gegenvorwurf „Aber du hast ja dies und jenes getan, deshalb konnte ich nicht…“.
Im Prinzip versuchen wir uns nur zu verteidigen, doch diese Form der Kommunikation macht die Situation häufig noch schlimmer. Im ungünstigsten Fall verlieren wir uns gegenseitig in Beschuldigungen und Vorwürfen. Solche destruktiven Gespräche führen zu keinen Klärungen, sondern generieren (psychischen) Stress und Belastungen für die Arbeitsbeziehung.

Im Bestreben, Sachverhalte zu klären und konstruktive Zusammenarbeit und Miteinander zu fördern, ist es empfehlenswert, die Geschehnisse der Vergangenheit ruhen zu lassen und sich im Gespräch ausschließlich auf das Hier-und-Jetzt und die Zukunft zu fokussieren. Dabei erkennen wir trotzdem alle Gefühle und Begebenheiten, die zu dieser Situation geführt haben, an, wollen jedoch nicht in einer Ursachenfindung verweilen. Im Coaching achten wir darauf, dass das Vergangene weitgehend als Tabuzone gemieden wird. Das hat den Sinn, dass sich ein Gespräch nicht mehr in Vorwürfen, Rechtfertigungen und Gegenvorwürfen verheddert und somit in eine (sich häufig selbst verstärkende) Negativspirale abrutscht.

Begegnen wir uns auf Augenhöhe in der Gegenwart, im Hier-und-Jetzt, ist ein hilfreicher Austausch über Fakten und Gefühle möglich. Hier versuchen wir, den Anderen zu verstehen und eine gemeinsame Basis finden. Auf dieser Ebene kann Verständnis und Zusammenhalt entstehen. Aus diesem Grund nennen wir diese Gesprächsebene auch die Empathiezone.

Möchte man allerdings etwas an der Zusammenarbeit verbessern, ist es hilfreich sich nicht nur auf das gegenseitige Verstehen in der Empathiezone zu beschränken. Sinnvoll ist ein Austausch über die Geschehnisse der Zukunft. Hier werden Fragen geklärt wie: Was möchten wir ändern? Wie möchten wir in der Zukunft Dinge handhaben? Was möchten wir, dass der Gegenüber in der Zukunft tut? Wir nennen diese Gesprächsebene daher das Feld der Vereinbarungen.

An der Vergangenheit können wir nichts mehr ändern, in der Gegenwart können wir uns begegnen und durch die Abmachungen, welche wir in Bezug auf die Zukunft treffen, können wir unser Handeln in neue Bahnen lenken und nachhaltig Veränderung bewirken.

Was können Sie also konkret in der Gesprächssituation tun?

Unsere gecoachte Klientin fand dieses Schema sehr einleuchtend, wand jedoch ein, dass ihr Gegenüber das Schema vermutlich selbst nicht kennt und trotz Tabuzone negative Äußerungen über die Vergangenheit machen wird. Wie kann sie damit umgehen?

Wir können immer unser eigenes Verhalten direkt ändern und nicht das Verhalten des Anderen. Wir können allerdings versuchen das Gespräch positiv zu beeinflussen, indem wir nicht auf die Vorwürfe des Gegenübers mit Rechtfertigung und Gegenvorwürfen antworten. Sie können mit Ihrer Antwort direkt in eine andere Gesprächsebene wechseln. Anstatt mit Gegenvorwurf und Rechtfertigung zu antworten, können Sie sich entscheiden Ihrem Gesprächspartner aufrichtig im Hier-und-Jetzt zu begegnen, Verständnis zu zeigen oder auch um Verständnis zu bitten. Anschließend können Sie gemeinsam Vereinbarungen für die Zukunft treffen um den Sachverhalt endgültig zu klären.

Beispiel einer gelungenen Gesprächssequenz

A „Du hast den Bericht letzte Woche viel zu spät abgegeben!“   Vorwurf

Du + Vergangenheit = Tabuzone

B (Option 1) „Ich wusste nicht, dass der Bericht dran war. Das hat mir keiner gesagt. Du hättest mir das eher sagen sollen!“ Rechtfertigung + Gegenvorwurf

Ich/Du + Vergangenheit = Tabuzone

B (Option 2) „Ich höre, dass du darüber sehr verärgert bist, das tut mir leid.“  Du + Gegenwart =

Empathiezone

B (Option 3) „Ich arbeite momentan an sehr vielen Projekten gleichzeitig und manchmal weiß ich nicht wo mir der Kopf steht. Da habe ich manchmal nicht alle Termine auf dem Radar.“   Ich + Gegenwart =

Empathiezone

B

(anknüpfend an Option 2 oder 3)

„Ich achte darauf den Bericht nächste Woche mit Priorität zu bearbeiten und pünktlich einzureichen.“ Ich + Zukunft =

Feld der Vereinbarungen

B

(anknüpfend an Option 2 oder 3)

„Wenn Du die Abgabetermine künftig in unseren Kalender einträgst, dann sind sie für mich jederzeit abrufbar. Wie wäre das?“ Du + Zukunft =

Feld der Vereinbarungen

Von |2018-11-29T14:02:16+00:0013.11.2018|Blog, News|0 Kommentare

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