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Konflikte und Konfliktkosten

Kürzlich berichtete mir eine Führungskraft von einem Konflikt in ihrem Team. Zwei Mitarbeiter würden überhaupt nicht mehr miteinander sprechen und Emails aneinander nur einsilbig, zeitverzögert oder gar nicht beantworten. Er selbst müsse permanent Postbote spielen zwischen den beiden, um die Leistungen seines Teams nach Außen (ausgerechnet Problemlösungen für IT-Anwender) nicht zu gefährden. Verständlicherweise war die Führungskraft ziemlich genervt von der Situation. Staunend hörte ich, dass die Situation vor zwei Jahren eskaliert sei und seither andauere. Wir kamen überein, dass ich ein Angebot über eine Konfliktbearbeitung erstelle. Im Kopf überschlug ich die jährlichen Konfliktkosten (mehr dazu hier):

  • 2 Mitarbeiterjahresgehälter * 10% für die verschwendete Arbeitszeit
  • 1 Teamleiterjahresgehalt * 5% für die Tätigkeit als Poststelle und die Bewältigung des damit verbundenen Ärgers
  • schlechte Entscheidungen und Empfehlungen  an die internen Kunden, die Nacharbeit und Fehler bei diesen produzieren und Zusatzarbeit für das Team erzeugen
  • Ausfalltage, die durch Stress bedingt sind.

Zwei Wochen nach unserem Gespräch telefonierten wir wieder. Verdutzt hörte ich, dass man den Konflikt mit eigenen, internen Mitteln angegangen sei und jetzt sei es wieder gut.

Habe ich mit meiner Mini-Intervention -  gezielten Fragen im ersten Gespräch - etwas in Bewegung gebracht? Oder redet sich hier jemand die Situation schön? Oder liegt hier der (verbreitete) Meinungsfall vor, dass Konflikte "eben zum Leben gehören" und deshalb nichts dagegen getan werden könne und brauche? Oder interpretiert da jemand die Kosten für externe Unterstützung als "zusätzlich",  ohne wahrzunehmen, dass der Konflikt selbst erhebliche Kosten verursacht?

Wie Schnelligkeit zu Langsamkeit führt…

…ließ sich kürzlich beim Champions-League-Spiel des "kleinen" FCB (FC Basel 1893, www.fcb.ch) gegen den "großen" FCB beobachten. Die beiden Außenstürmer Ribery und Robben haben nahezu das gleiche stereotype Muster: Ball annehmen, orientieren, sprinten, festdribbeln, zum Mitspieler quer oder zurück passen. In der Zwischenzeit hatte der Gegner ausreichend Zeit, um seine beiden 4er Ketten sauber aufzustellen. Und dann beginnen die Bayern mehr oder (derzeit) weniger einfallsreich den Ball laufen zu lassen, als wären sie ein Handballteam. Auf diese Weise kommen hohe Ballbesitzanteile (eine ebenso vielzitierte wie völlig irrelevante Statistik) zustande. Vor allem aber wird  das Spiel träge und langsam.

Wie entsteht das? Beide Spieler sind in der Lage, mit beeindruckenden 31 km/h zu sprinten. Offenbar sind sie sich dieser seltenen Qualität bewusst und wenden sie sterotyp an. Und genau das macht das Spiel des FC Bayern langsam. Ist der Gegner auch noch defensiv stark, dann sieht es ganz düster aus für den großen FCB.

Die Stärke wird zur Schwäche, wenn sie stereotyp und erwartbar eingesetzt wird. Dieses Muster kann nur der Trainer aufbrechen, indem er beide Spieler taktisch anders einstellt (was ich als unmöglich ansehe) oder das Team anders aufstellt. Mit Olic und Müller steht die Alternative bereit.

Komfortzone und Leidenschaft

Ich war wieder einmal beim Fußball, als Zuschauer. Regionalliga, Tabellenerster gegen den Tabellendritten, Goliath gegen David sozusagen. Das Tabellenführerteam war in allen Belangen erschreckend unterlegen. Das Ergebnis fiel mit 0:1 eher schmeichelhaft aus. Wie entsteht so etwas, was tut und lässt ein Team, um eine solche Situation zu kreieren?

Das Folgende gehört gewiss dazu:

  1. Risiken scheuen. Um Fehler zu vermeiden, wird der Quer- und Rückpass gesucht oder der Ball zum Mitspieler geschoben, statt ein Pass gewagt. Oder man stoppt den erhaltenen Ball erst einmal sicher, läuft ein paar Schritte auf den Mitspieler zu, um dann den Ball zu diesem querzupassen. (Dass der Gegner damit genug Zeit bekommt, sich über das Spielfeld zu verschieben, wird nicht als Folge des eigenen Handelns wahrgenommen.)
  2. Schnelligkeit und Überraschungen meiden.Denn Schnelligkeit könnte in Fehlerproduzierende Hast umschlagen, ein überraschender Pass den Mitspieler auf dem falschen Fuß erwischen. Freistöße sollten sowieso sorgfältig und graziös ausgeführt werden, die Freundin guckt ja zu.
  3. Sich an irrelevanten Statistiken berauschen. Lieber den Ball zum Mitspieler schieben, als den Abschluss suchen. Das gibt einen Punkt in der Statistik „erfolgreich gespielte kurze Pässe“.
  4. Den Gegner ausblenden. Man kann auf den Platz gehen, um als Tabellenführer das nächste Spiel zu bestreiten. Man kann auch das Spielfeld betreten mit dem Gedanken, dass es 0:0 steht und der Gegner unbedingt gewinnen will. Unser Unterbewusstsein entscheidet sich immer klar für eine der beiden Optionen. Diese Entscheidung bestimmt unser Agieren.
  5. In der Komfortzone bleiben.Immer schön im GA1-Tempo* bewegen, die Anderen (Mitspieler) sind ja auch noch da.
  6. Leidenschaft vermissen lassen. Ob mein Team verliert oder nicht: Heute Abend gibt´s ein schönes Bier.

Es heißt, Fußball sei ein Spiegel der Gesellschaft. Es muss also Unternehmen geben, in den einige Führungskräfte und Mitarbeiter…

  • Risiken scheuen
  • Schnelligkeit und Überraschungen meiden
  • sich an irrelevanten Statistiken berauschen
  • den Gegner (Rahmenbedingungen, Wettbewerber, Kunden) ausblenden
  • in der Komfortzone bleiben
  • Leidenschaft vermissen lassen.

Kennt jemand Beispiele für solche Unternehmenskultur?

*Für Nichtläufer: GA1 steht für Grundlagenausdauer, Laufen in angenehm-ruhigem Tempo bei niedrigem Puls. Bei diesem Tempo lässt sich gut miteinander schwatzen.

Von Krisen und Fehlern

Eine meiner wertvollsten Erfahrungen als Triathlet ist die: Bei einer Langdistanz kommt auf JEDEN Fall eine Krise, kommen mehrere Krisen (z.B. Leistungsabfälle, Krämpfe, Schmerzen, Dehydrierung, Radpannen, nicht eingehaltener Ernährungsplan, …). Das ist absolut sicher, trifft jeden. Es kommt ausschließlich darauf an, WIE ich damit umgehe. Ich kann Minuten- und Kilometerlang hadern („hätte ich nur…“, „so ein Mist…“, „der Andere könnte doch…“) – es wird mich nur Energie und Zeit kosten. Oder gar mein Problem verschlimmern. Meine einzige Chance ist, die Situation in diesem Moment ohne Umschweife anzunehmen und nach Änderungsmöglichkeiten zu suchen. Das funktioniert beeindruckend wie ein Mechanismus: Krise mit Hadern kostet Zeit, Krise mit Abhaken und Änderungen ermöglicht die Überwindung der Krise.

Im Fußball arbeiten Trainer mit ihren Teams daran, dass Umschalten von Defensive auf Offensive bzw. von Offensive auf Defensive zu verbessern. Teams, die in der Lage sind, nach Ballverlust blitzschnell (also ohne Hadern, gegenseitige Vorwürfe, Proteste in Richtung Schiedsrichter) sofort auf Defensive umschalten, wo jeder Spieler sich sofort auf seine defensiven Aufgaben fokussiert, werden erfolgreicher sein. Teams, wo nach Balleroberung jeder Spieler blitzartig in seine vorher abgestimmten offensive Aufgaben übernimmt, können im Angriff Überzahlsituationen erzwingen oder Räume schaffen.

Daraus ließe sich m.E. einiges lernen für den Umgang mit Fehlern im Arbeitsalltag.

Trainerwechsel

Die deutsche Fussball-Bundesliga im April 2011: Trainer A wechselt nach X, von dort wechselt Trainer B nach Y. Trainer C macht mit seinem Team ein entscheidendes Spiel bei seinem zukünftigen Verein. Man kann das bejammern (machen wir nicht), man sich auch wundern (machen wir: z.B. über Felix Magath, der sich in die Situation begibt, ohne…
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Ver-lernen

Jürgen Klopp macht es. Thomas Tuchel macht es. Jogi Löw macht es. Sie alle setzen auf sehr junge Spieler in ihren Teams. Die Ränge 1 und 2 in der aktuellen Bundesligatabelle sind der Beweis, dass dies nicht falsch sein kann. (Über Jogi Löw, den obersten Personalentwickler der Nation, reden wir gar nicht erst.) Gibt es…
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