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Projektmanagement via E-Mail©

Ich habe eine Projektmanagement-Methode entdeckt! Um Missverständnissen vorzubeugen: nicht entwickelt, sondern durch Beobachtung Anderer quasi identifiziert. Das Praktizieren dieser Methode lässt sich leicht erlernen, weil sie weitgehend intuitiv ist. Nachfolgend findet der geduldige Leser die 7 Grundprinzipien:

  • Rollen und Beteiligungsgrad der einzelnen Projektbeteiligten zu fixieren und allen zu Kenntnis zu geben, ist Zeitvergeudung und untergräbt womöglich Kreativität.
  • Jeder Projektbeteiligte muss über eine Software zum Senden und Empfangen von E-Mails verfügen. Individuelle  Arbeitsgewohnheiten, wie das Archivieren empfangener E-Mails in einem Ordner oder das Löschen der E-Mails nach Lesen unterliegen dem Respekt vor der Autonomie des Einzelnen.
  • Die Kernidee ist Transparenz, d.h. alle Projektbeteiligten durch intensive Nutzung der cc-Funktion über alle lfd. Dinge informiert zu halten.
  • Über Verwirrungen und Frustrationen Einzelner infolge ihrer cc-Einbindung in sie (vermeintlich) nicht interessierende Themen sind stressbedingt und ebenso höflich wie  souverän zu ignorieren – das vertut sich.
  • Zusammenfassungen des Projektstandes, insbesondere Terminketten, Klärungsbedarfe und Festlegungen sind verzichtbare Redundanz, weil alle Projektbeteiligten jederzeit über denselben Kenntnisstand verfügen.
  • Telefonische Absprachen zu Einzelfragen sind und bleiben bilaterale Kommunikation.
  • Diskutierte und sich verändernde Dokumente werden als Anhang zu E-Mails verteilt. Mit gesundem Menschenverstand und der Suchfunktion im Posteingang findet ja jeder jederzeit die richtige Version.

Die erste Codezeile

Die ganze Firma ist versammelt, fast 40 Leute, Software-Entwickler. Der Geschäftsführer ruft einen Mitarbeiter nach vorn. Glückwunsch und Dank für 22 Jahre Zusammenarbeit. Und eine kleine Geschichte: Die erste Codezeile des wichtigsten Produktes der Firma stamme von eben diesem Kollegen. Staunen, Stille, ein berührender Moment.

Herr Papandreou hat den Hebel gefunden – Chapeau!

Europas Staaten haben in einem beispiellosen Kraftakt ein Rettungspaket für Griechenland geschnürt. Schuldenschnitt und Geldzuweisungen gegen Defizitabbau. Wochen- und Monatelang schienen alle Beteiligten in einem Kreislauf gefangen. Dieser sah in etwa so aus.
Troika: Geldüberweisung nur gegen Konsolidierungsfortschritte
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Griechische Regierung: kleine Konsolidierungsfortschritte + Ankündigung immer neuer Konsolidierungsmaßnahmen
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Griechische Opposition: Ablehnung der Konsolidierungsmaßnahmen + Schuldigensuche außerhalb + Streiks und Widerstand (die die Konsolidierung massiv behindern)
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Troika: Ignoranz der Wirkung der griechischen Opposition + blinder Glaube an die Ankündigungspolitik der griechischen Regierung + Geldüberweisung
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Troika: Check der Konsolidierungsfortschritte + Unzufriedenheitsäußerungen
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Troika: Geldüberweisung nur gegen Konsolidierungsfortschritte
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Griechische Regierung: …siehe oben, das hatten wir schon…

Nun plötzlich ist alles anders. Premier Papandreou hat eine Volksabstimmung über das Rettungspaket angekündigt. Die Folgen sind bemerkenswert:

  • Die Retter machen klar, dass es rote Linien gibt, dass sie es ernst meinen - sowohl mit der Hilfe als auch mit Selbstverantwortung der Griechen.
  • Die Retter können nun nicht mehr den fehlenden Konsens und Veränderungswillen der Griechen ignorieren.
  • Die Retter lassen sich ab nun nicht mehr mit Ankündigungspolitik hinhalten, sondern stoppen die nächste Zahlung an Griechenland, bis Klarheit herrscht.
  • Die Retter müssen sich mit dem Scheitern ihrer Bemühungen (Staatspleite Griechenlands) und deren Auswirkungen auf sich selbst befassen.
  • Die griechische Regierung ersetzt Ankündigungspolitik durch die Suche nach einem nationalen Konsens.
  • Volk und Opposition Griechenlands sind nun auf sich selbst zurück geworfen, sie müssen einen nationalen Konsens finden.
  • Die Opposition kann nun nicht mehr einfach Nein sagen, sondern muss sich für ein Ja entscheiden, ein Ja zu einem der beiden möglichen Wege.
  • Der zu Rettende muss Selbstverantwortung wahrnehmen, kann nun nicht mehr einfach nur schimpfen auf die Anderen und sich hilflos ausgeliefert gerieren.

Soviel ist nun anders. Dabei hat doch nur ein Herr mit graumeliertem Haar die Leute fragen wollen, ob sie sie Ja oder Nein sagen.

Was hier passiert, ist ein wundervolles Beispiel systemischer Wirkungszusammenhänge. Ein System ändert sich schlagartig und irreversibel durch eine scheinbar winzige Veränderung, eine mit Hebelwirkung. Herrn Papandreou kommt das Verdienst zu, diesen Hebel gefunden zu haben. Ab jetzt kann niemand weiter machen wie bisher, alle Beteiligten müssen ihr Handeln neu ausrichten. Jetzt kann der Teufelskreislauf aufgebrochen werden. Chapeau, Herr Papandreou!

Mangelnder Respekt mindert Leistung

FC Bayern vs. Borussia Dortmund: 1:3. Grandios heraus gespielte Chancen und Tore, unglaublich schnelles Umschalten nach Balleroberung, … Wie ist es möglich, dass die Bayern, gerade wieder personell vollständig und mit einem Erfolgserlebnis aus der Champions League im Rücken, derart untergehen? Eine Antwort ist sicher: So ist Fußball, gerade das macht die Faszination Fußball aus.…
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